Emotions-Verarbeitung
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Coaching und Therapie

 

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Angst ist eine Stressreaktion im Körper

Angst wurde bisher überwiegend von Psychologen und Psychoanalytikern beforscht. Sie beschäftigten sich intensiv mit der Frage wie psychische  Belastungen entstehen und welche  Auswirkungen sie auf das Denken, Fühlen und Handeln einer Person haben.

Sie entwickelten eine Vielzahl von Theorien über die Ursachen und Konsequenzen von Angst und psychischen Konflikten. Die diesen psychischen  Prozessen zugrundeliegenden neurobiologischen Mechanismen fanden hierbei jedoch nur wenig Beachtung. Dabei beginnt jede Angst mit einer Stressreaktion im Körper.

Es ist ein Gefühl, das aus dem Bauch zu  kommen scheint und sich bis in die Haarwurzeln ausbreitet. Wenn es ausgelöst wird, fängt unser Herz an zu rasen und der Pulsschlag pocht  in unseren Ohren. Wir bekommen feuchte Hände, müssen aufs Klo,  fühlen uns schlecht, ohnmächtig, alleingelassen und hilflos. Wir fühlen, dass etwas in uns plötzlich in Gang gesetzt wird und unseren ganzen Körper  überflutet, ohne dass wir uns dagegen wehren können.  Jetzt beginnen die Alarmglocken in unserem Gehirn zu läuten. Wir fangen an, verzweifelt nach einer Lösung zu suchen, eine irgendwo zwischen unseren Milliarden von  Nervenzellen angelegte Verschaltung für eine Verhaltensstrategie zu aktivieren, die uns geeignet scheint, die Bedrohung irgendwie abzuwenden, das Problem zu lösen, die Situation zu bereinigen. Falls wir so etwas finden,  werden die  Alarmglocken schon etwas leiser. Wir machen das, was uns in dieser Situation als richtig erscheint. Wenn sich herausstellt, dass das genau das Richtige war, hören die Alarmglocken auf zu dröhnen. Uns fällt  ein  Stein vom Herzen. Schwein gehabt.

Das, was wir da erlebt haben, war eine kontrollierbare Stressreaktion.

Diese sonderbaren Gefühle entstehen dadurch, dass stammesgeschichtlich sehr alte Verschaltungen in unserem  Gehirn aktiviert  werden.  Diese Schaltstellen lösen eine Empfindung aus, die wir Angst nennen, und beim Aufhören dieser Erregung, beim Verschwinden der Angst, ein Gefühl der Freude, der  Erleichterung zurücklassen.

Was jedoch, wenn wir erkennen müssen, dass unser Angstgefühl keine logische Ursache  hat und unser Verstand uns deutlich macht, dass  wir doch keine Angst zu haben brauchen. Zum Beispiel beim Anblick einer Spinne?

Was ist, wenn wir keine Möglichkeit finden, dieses lästige Gefühl der unrealistischen Angst los zu werden?

Dann schlägt die Angst um in Wut  und Verzweiflung,  die anfängliche Ratlosigkeit wächst zu anhaltender Ohnmacht, die leichte  Verunsicherung wir zu quälendem Zweifel.  Unser Selbstvertrauen schwindet, uns verlsst der Mut, wir fühlen uns elend und  verzweifelt, unzufrieden und unglücklich.

Bei einer  Stressreaktion (z.B. Anblick einer Spinne) wird unser Nervensystem mit Streßhormonen überschwemmt. Es  ist eine ähnlich starke Körperwahrnehmung wie beim Schmerz: Muskelgruppen spannen sich an, der Atem wird flach oder stockt, der Kreislauf rast, der Blick wird starr, die Gefäße verändern sich, Magen und Darm scheinen  sich zu verkrampfen - so fühlt es sich zumindest an. Ist so ein Schreck für das Nervensystem zu intensiv, entgleist die natürliche Informationsverarbeitung. Der Körper bleibt chronisch erschrocken, obwohl die Gefahr  schon längst wieder vorbei ist. Man könnte hier vom  Phantomschmerz der Seele sprechen. Jede Emotion kann sich auf diese Weise chronisch verselbständigen, sozusagen zur „neuropathischen Emotion" werden: Angst, Wut,  Rachedurst, Trauer, Ekel oder Scham. 

 

Aufnahmen der Gehirnfunktion bei Phobikern - also von 'Menschen, die chronische, heftige Angstreaktionen in Kontakt mit spezifischen Situationen, Gegenständen oder Tieren wie beispielsweise einer Spinne haben, zeigen mit bunten Farben die Aktivitäten des erlebenden und reagierenden Gehirns. In dem Film mit dem dramatischen Titel „Phobia- die   nackte Angst" - gesendet vom Sender Vox in der Reihe „BBC Exklusiv" - kann man eindrucksvolle Bilder sehen. Sie zeigen,  dass bei diesen Personen  die Amygdala, also die Gehirn-Alarmgloc ke „ schrillt", wenn man  ihnen Bilde rzeigt,die jeder Mensch als belastend oder ängstigend einstufenwürde, wie etwa eine unheimliche Fratze aus einem Horrorfilm. Kurz nach dieser Darbietung „erlischt` die Amygdala jedoch sofort wieder.

Zeigt man ihnen dann aber ein Bild mit dem Thema ihrer Phobie, leuchten  die Amygdala und derlinke Hippocampus gleichzeitig auf. Der Hippocampus ist eine mit  unserem Gedächtnis eng verknüpfte Gehirnregion. Interessanterweise bleibt dieser Gedächtnisspeicher der Gefühle bei den „allgemein schrecklichen" Bildern wie der  Horrorfratze quasi stumm. Im Gegensatz dazu haben sich aber bei einer Phobie offensichtlich Alarmglocke und Gefühlsgedächtnis zu einem zu fest vernetzten Team   zusammengefunden. Man kann sich nicht mehr an eine Maus erinnern oder diese wahrnehmen, ohne daß nicht auf der Stelle auch die Alarmglocke schrillt und eine  Überdosis an Streßhormonen ausgeschüttet wird. Erschwerend kommt hinzu, daß all unsere Sinneswahrnehmungen immer die Amygdala passieren müssen, bevor sie an den  sogenannten Cortex, also an unser „Denkhirn" weitergeleitet werden. Dieses Weiterleiten dauert eine halbe bis dreiviertel Sekunde. Deswegen setzt auch jeder Schreck eine halbe   bis dreiviertel Sekunde früher als der Verstand ein. Und ist der Schreck einmal gestartet, kann der „klare Verstand" seine klärende Wirkung leider nicht mehr entfalten. „Denn leider" -  so sagte der Bremer Gehirnforscher G. Roth im Rahmen eines Vortrags zu diesem Thema leitet zwar die Amygdala an den Cortex weiter, aber umgekehrt läßt sie sich vom Cortex   nichts sagen bzw. nur sehr ungern etwas sagen."

Viele dieser Forschungsergebnisse passen interessanterweise auch zu Befunden, die man  bei schwer traumatisierten Menschen erheben konnte. Bei Kriegsveteranen oder Menschen mit Gewalt- und Mißbrauchserlebnissen konnte man beispielsweise eine deutliche  Verkleinerung des linken Hippocampus gegenüber nicht-traumatisierten Menschen feststellen - als sei dieser Bereich durch die ständige Verbindung mit dem  Alarmglockensystem im Laufe der Jahre erschöpft worden. Und außerdem scheint einem  schwer traumatisierten Menschen der klare Verstand gar nichts zu nützen: Er hat immer  weiter Angst, obwohl er genau weiß, daß er keine Angst mehr zu haben bräuchte. Aber wie  dies alles genau zusammenhängt, wird man wohl erst in ein paar Jahren erfahren.

Diese Informationen bedeuten also, daß es ganz normal ist, wenn Sie nicht aus eigener Kraft über diese Angst hinwegkommen.

Wenn Menschen Ihnen sagen: „Man muß nur wollen und dann kann man Berge versetzen", ist das ist so, als würde man sagen: „Man muß nur wollen und dann schient und  gipst sich Ihr angebrochenes Bein ganz von allein.“

Man ahnt gar nicht, bei wie vielen Menschen eine Veränderung oder  Persönlichkeitsentfaltung nicht am mangelnden Wollen oder gar am „wirklich Wollen“  scheitert. Das Manko besteht vielmehr im ungenügenden „wissen wie“ und in nicht  ausreichenden Kenntnissen von mentalen Problem- und Erfolgsstrukturen.

Erfolgreiche Behandlungsmethoden sind Verhaltenstherapie und Wingwave-Coaching